Dein Körper ist jünger als du
Ein großer Teil deines Körpers ist erst wenige Wochen alt. Deine Haut erneuert sich etwa einmal im Monat. Die Zellen, die deinen Darm auskleiden, halten nur wenige Tage. Rote Blutkörperchen leben rund vier Monate, dann werden sie aussortiert und ersetzt. Während du diesen Absatz liest, bildet dein Körper Millionen neuer Zellen.
Altern ist deshalb nicht einfach das Ansammeln von Jahren. Dein Körper sammelt gar nicht an, er tauscht laufend aus. Altern beginnt dort, wo dieser Austausch langsamer wird und die neuen Zellen nicht mehr ganz so gut gelingen wie früher.
Genau hier liegt der Unterschied zwischen zwei Arten von Alter. Dein kalendarisches Alter zählt die Jahre seit deiner Geburt. Es steht in deinem Ausweis und lässt sich nicht verhandeln. Dein biologisches Alter beschreibt dagegen, in welchem Zustand dein Körper tatsächlich ist, also wie gut er sich noch erneuert und wie belastbar seine Gewebe sind. Bei Menschen mit demselben Geburtsjahr können zwischen beiden viele Jahre liegen. Wie groß dieser Unterschied sein kann, zeigt eine Langzeitstudie aus Neuseeland: Bei rund 950 Menschen, die alle im selben Jahr geboren und zum Zeitpunkt der Messung 38 Jahre alt waren, reichte das biologische Alter von 28 bis 61 Jahren.
Was genau ist an einem Körper älter als am anderen, wenn beide gleich viele Jahre hinter sich haben? Um das zu verstehen, lohnt sich ein Blick darauf, wie Erneuerung funktioniert und wo sie an ihre Grenzen stößt.
Telomere: Warum sich Zellen nicht unbegrenzt erneuern können
Neue Zellen entstehen, indem sich vorhandene teilen. Aus einer Zelle werden zwei, und dabei muss der komplette Bauplan, die Erbinformation, mitkopiert werden. Dieses Kopieren ist erstaunlich zuverlässig, hat aber eine eingebaute Grenze.
Denk an die kleinen Plastikhülsen am Ende eines Schnürsenkels. Sie enthalten nichts Wichtiges, sie verhindern nur, dass der Senkel ausfranst. Etwas sehr Ähnliches sitzt an den Enden deiner Chromosomen: die Telomere. Sie schützen die Erbinformation dahinter und dienen bei jeder Zellteilung als Puffer.
Bei jeder Teilung wird dieser Puffer ein Stück kürzer. Irgendwann reicht er nicht mehr, und die Zelle hört auf, sich zu teilen. Sie stirbt nicht sofort, sondern bleibt als stillgelegte Zelle im Gewebe zurück. Mit den Jahren sammeln sich immer mehr davon an. Die Haut wird dünner, Wunden heilen langsamer, das Immunsystem reagiert träger, weil der Nachschub an frischen Zellen nachlässt.
Wie schnell die Telomere kürzer werden, ist allerdings nicht fest vorgegeben. Damit ist die erste Säule des biologischen Alters beschrieben: wie viel Erneuerungsfähigkeit dein Körper noch hat.
Gefäße: Was sich kaum erneuert
Neben dem, was sich ständig erneuert, gibt es in deinem Körper Material, das praktisch nie ausgetauscht wird. Die elastischen Fasern in deinen Schlagadern zum Beispiel entstehen überwiegend in Kindheit und Jugend. Was du davon hast, musst du erhalten.
Eine junge Schlagader verhält sich wie ein weicher Gartenschlauch. Mit jedem Herzschlag dehnt sie sich, fängt den Druck ab und gibt ihn gleichmäßig weiter. Über die Jahre wird dieses Gewebe steifer, so wie ein Schlauch, der viele Sommer in der Sonne gelegen hat. Das Herz muss dann gegen einen höheren Widerstand arbeiten, und der Druck kommt ungebremster in den feinen Gefäßen von Gehirn, Nieren und Augen an.
Dieselbe Eigenschaft kannst du an deiner Haut beobachten. Haut, die sich nach leichtem Kneifen sofort wieder glättet, hat noch viel elastisches Material. Braucht sie eine Sekunde länger, ist es weniger geworden. Damit steht die zweite Säule des biologischen Alters: wie elastisch das Gewebe bleibt, das sich nicht erneuert.
Was das Altern beschleunigt
Beide Prozesse laufen bei jedem Menschen ab. Die spannende Frage ist, warum sie bei manchen schneller gehen als bei anderen. Drei Einflüsse spielen dabei eine besonders große Rolle.
Der wichtigste ist eine Entzündung, die man nicht bemerkt. Anders als bei einer Erkältung gibt es kein Fieber und keine Schmerzen, sondern ein leicht erhöhtes Entzündungsniveau, das über Jahre anhält. Es zwingt das Gewebe zu ständiger Reparatur und damit zu mehr Zellteilungen als nötig. Bewegungsmangel, schlechter Schlaf, Übergewicht und eine einseitige Ernährung können diesen Schwelbrand am Laufen halten.
Der zweite ist Dauerstress. Das Alarmsystem deines Körpers ist für kurze Gefahren gemacht. Bleibt es über Monate eingeschaltet, wird aus einem Schutzmechanismus eine Belastung, die das Entzündungsniveau zusätzlich erhöht.
Der dritte sind Schäden von außen. Rauchen, Alkohol und viel UV-Strahlung greifen Zellen und ihre Erbinformation direkt an. Der Körper repariert vieles davon, aber nicht alles.
Was dein Körper dagegen setzen kann
Wäre das alles, wäre dieses Thema ziemlich deprimierend. Es ist aber nur die eine Hälfte, denn viele dieser Prozesse lassen sich auch in die andere Richtung beeinflussen.
Regelmäßige Ausdauerbewegung hält genau die Gefäße geschmeidig, von denen oben die Rede war, und ihre Spuren lassen sich bis auf die Ebene der Telomere verfolgen. Dazu mehr hier (Artikel: Ausdauer). Muskelkraft baut eine Reserve auf, von der du Jahrzehnte später zehrst. Und im Tiefschlaf laufen Reparaturprozesse, für die tagsüber keine Zeit bleibt.
Dann gibt es Einflüsse, die sich schwerer erklären lassen und trotzdem verlässlich wirken. Menschen mit einem stabilen sozialen Umfeld leben im Schnitt deutlich länger. Wer regelmäßig etwas tut, das ihm etwas bedeutet, ebenfalls. Die genauen Wege sind weniger klar als bei einer Zigarette, der Zusammenhang gehört dennoch zu den stabilsten, die die Forschung kennt.
Wie der BioAge-Test dein biologisches Alter schätzt
Genau diese Einflüsse fragt der BioAge-Test ab. In fünf Bereichen, Bewegung, Ernährung, Lebenszufriedenheit, Konsumverhalten und Selfcare, beantwortest du 25 Fragen zu deinem Alltag. Jede Frage zählt so stark, wie ihr Zusammenhang mit Gesundheit und Lebenserwartung belegt ist. Am Ende steht eine Zahl in Jahren und eine Einordnung, wo du schon gut aufgestellt bist und wo am meisten zu holen ist.
Diese Zahl ist eine Schätzung auf Basis deiner Angaben, kein Laborwert. Sie soll dir zeigen, an welchen Stellen sich Veränderungen am meisten lohnen.
Warum sich das lohnt
Der Unterschied zwischen zwei gleich alten Körpern entsteht nicht in einem Jahr. Er ist das Ergebnis vieler kleiner Entscheidungen, die einzeln belanglos wirken: eine ausgelassene Treppe, eine zu kurze Nacht, ein Abend mit Freunden statt allein.
Genau darin liegt die gute Nachricht. Kein einzelner Schritt verändert dein biologisches Alter spürbar, aber es kommt auch auf keinen einzelnen an.
Die Prozesse, um die es hier geht, reagieren auf das, was du regelmäßig tust, und zwar in jedem Lebensalter.
In den folgenden Artikeln geht es um die einzelnen Faktoren: was dahintersteckt, wie gut es belegt ist und was du damit anfangen kannst.
Häufige Fragen zum biologischen Alter
Kann man das biologische Alter messen?
In der Forschung ja, etwa über Blutwerte, Veränderungen am Erbgut, sogenannte epigenetische Uhren, oder die Länge der Telomere. Je nach Methode fallen die Ergebnisse unterschiedlich aus. Der BioAge-Test misst nichts im Labor, sondern schätzt dein biologisches Alter über deinen Lebensstil.
Wie schnell lässt sich das biologische Alter verändern?
Erste Veränderungen auf Zellebene zeigen Studien bereits nach einigen Monaten, zum Beispiel bei regelmäßigem Ausdauertraining. Entscheidend ist aber, was du über Jahre beibehältst.
Ist das biologische Alter nicht einfach Veranlagung?
Gene spielen eine Rolle, erklären nach heutigem Stand aber nur einen kleineren Teil. Der größere Teil hängt mit Lebensstil und Umfeld zusammen. Deshalb lässt der BioAge-Test die Genetik bewusst außen vor und konzentriert sich auf das, was du beeinflussen kannst.
Ab welchem Alter lohnt es sich, darauf zu achten?
In jedem Alter. Die beschriebenen Prozesse reagieren auf regelmäßige Reize, auch wenn du spät damit anfängst.
Wie genau ist der BioAge-Test?
Er liefert eine begründete Schätzung, keinen Messwert. Grundlage sind deine Angaben und Gewichtungsmodelle nach Bamberger und Despeghel. Ein 40-Jähriger kann im Test je nach Lebensstil etwa zwischen 32 und 51 Jahren liegen.